Stellungnahme zum Antrag „Philosophie verleiht Flügel“

Stellungnahme

 zum Antrag „Philosophie verleiht Flügel“  –  Anhörung A 15

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident,

sehr geehrte Damen und Herren,

das Säkulare Netzwerk NRW (SNW) begrüßt den Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90 Die GRÜNEN „Philosophie verleiht Flügel“ auf Einführung eines Ethik-Unterrichts in der Grundschule als einen ersten wichtigen und richtigen Schritt, auf die veränderte kulturelle Lebenswirklichkeit in Nordrhein-Westfalen zu reagieren und bildungspolitisch gestaltend tätig zu werden.

Angesichts der heutigen Vielfalt der teils gelebten, teils formalen Religionszugehörigkeiten und der stetig wachsenden Zahl an bekenntnisfreien Schülerinnen und Schülern in unseren Schulen ist es unter dem Aspekt der Gleichheit vor dem Gesetz (Art. 3 GG) eine dringend notwendige Aufgabe des Staates, allen Schülerinnen und Schülern in allen Schulstufen und Schulformen fachlich fundierten Ethik-Unterricht an­­zubieten.

Das Fach sollte mit altersgerechter Anschaulichkeit und erprobter Methodenvielfalt

  • zu ethischem und philosophischem Fragen anleiten,
  • Entstehung, Wandel und Geltung ethischer Maximen und Verhaltensweisen reflektieren,
  • verschiedene Methoden der Erkenntnisgewinnung thematisieren sowie
  • Religions- und Weltanschauungskunde umfassen.
  • Zugleich sollte es – ohne von Staats wegen zu indoktrinieren – bei den Kindern auf der Basis des Grundgesetzes und der dort festgeschriebenen Menschenrechte eine Werteentwicklung ermöglichen und fördern und damit zu einer selbstbestimmten Lebensführung befähigen.

Am besten wird diese Zielsetzung durch einen gemeinsamen für alle verpflichtenden Ethik-Unterricht erreicht. Dieser kann

  • die konfessionelle Spaltung und Sortierung überwinden helfen, welche für viele Schulen auch ein handfestes organisatorisches Problem darstellt
  • die kulturelle Integration fördern
  • einen überlappenden Wertekonsens (overlapping consensus, John Rawls) ermöglichen.

Da hierfür die politischen und rechtlichen Hürden gegenwärtig leider recht hoch erscheinen, halten wir es für wichtig, dass das geplante Fach, das wir (nebenbei auch aus pragmatischen Gründen) „Ethik“ zu nennen empfehlen, curricular sowie von den Qualifikationen der Fachlehrerinnen und -lehrer her, so angelegt wird, dass es sich langfristig zu einem integrativen Fach ausbauen lässt.

Es ist selbstverständlich, dass die Philosophie eine Bezugswissenschaft des Faches Ethik ist. Hinzukommen müssen aber auch Psychologie, vor allem als Sozialpsychologie (z.B. Identität, Empathie), des Weiteren die Soziologie (z.B. Gruppen, Rollen, Wir-heiten, Andersheiten) sowie die Vergleichende Religionswissenschaft, schließlich Naturwissenschaften wie Physik und Biologie (z.B. Züchtung, Nahrung, Tierversuche; Geschlechtervielfalt, Heranwachsen) und die Geschichtswissenschaft (z.B. Religion, Gewalt und Frieden).

Im Fach Ethik geht es darum, mit den Kindern zu besprechen, wie es im Umgang der Menschen miteinander und beim Verhalten der Menschen untereinander und psychologisch, soziologisch und historisch zu Regeln, Gesetzen, Normen und Werten kommt.

Die Kinder sollen lernen, dass Ethik etwas ist, das sich durch das praktische Zusammenleben der Menschen entwickelt und sich seit Jahrtausenden, wenn auch langsam, immer wieder ändert und von den Menschen selbst an neue Herausforderungen, denen sie gegenüber stehen, sowie neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die sie erlernen, angepasst wird.

Auf dieser Grundlage soll den Kindern verstärkt Raum gegeben werden zu erfahren, wie durch selbsttätiges (kindliches) Erarbeiten von Regeln ihre eigenen, aber gerade auch die Interessen und Wünsche der Anderen zu berücksichtigen sind und zu einem fairen Ausgleich gebracht werden können, wodurch ethisches Verhalten entsteht.

Zugleich sollten sie angeleitet werden zu erkennen, dass sie auch auf den reichhaltigen kulturellen Schatz der Menschheitsgeschichte zurückgreifen können und lernen auf solche Weise, diesen in seinen diversen Teilaspekten zu hinterfragen, auf seinen menschlich fassbaren Sinn hin zu ergründen und dann gegebenenfalls in Teilen zu überwinden oder weiterzu­ent­wickeln.

Stellungnahme zum Antrag Philosophie verleiht Flügel (als PDF)

der Antrag der grünen Landtagsfraktion findet sich hier

alle  Stellungnahmen finden sich hier

Bericht Kirchliches Arbeitsrecht oder Ein Arbeitsrecht für Alle

Am 29.8. 19:00 diskutierten auf Einladung des Säkularen NetzWerks NRW Maria Tschaut (verdi.NRW), Ingrid Matthäus-Maier (GerDiA) und Ralph Welter (KAB) über die Zukunft des kirchlichen Arbeitsrechtes.

Die drei Diskutant*innen berichteten über das Verhältnis ihrer Organisationen zum sogenannten Dritten Weg. Maria Tschaut wies darauf hin, dass die Herausnahme aus dem Allgemeinen Arbeitsrecht nicht nur veraltet sei, sondern mittlerweile 1,3 Millionen Menschen unter diesem Recht arbeiten würden, obwohl es keinen feststellbaren Unterschied zu nichtkirchlichen Unternehmen gäbe. Verdi fordere daher ein Ende des Kirchlichen Arbeitsrechtes und insbesondere Streikrechtes sowie Betriebsräte auch in diesen Unternehmen.

Ingrid Matthäus-Maier verwies auf die Tätigkeit von GerDiA in den vergangenen Jahren und den auch juristischen Kampf gegen dieses Sonderrecht. Die Uminterpretation des Selbstverwaltungsrechtes zu einem Selbstbestimmungsrecht habe den Kirchen eine Kompetenzkompetenz geben, selbst zu entscheiden, wie weit ihr Recht gehe, eigene Gesetze zu erlassen. Desweiteren verwies sie auf Wurzeln vieler heutiger religiöser Privilegien wie dem bestehenden Modus des Kirchensteuereinzugs als Preis für die Auflösung des Zentrums 1933.
Eine Änderung des kirchlichen Arbeitsrechts sei nur durch Handeln von Politik, Gerichten und Progressiven innerhalb der Kirche möglich.

Ralph Welter berichtete, dass die KAB in Aachen schon lange einen Betriebsrat gegründet habe und dem Dritten Eeg kritisch gegenüberstehe, jedoch einige bessere Absicherungen im AVR gegenüber dem TVÖD sehe.

Absoluter Konsens bestand zwischen allen Diskutant*innen und auch allen Teilnehmer*innen im Raum über das individuelle Arbeitsrecht. Hier würden die Einschränkungen auch gesellschaftlich schon lange nicht mehr akzeptiert.

Ralph Welter forderte jedoch, nicht leichtfertig Errungenschaften, die im Dritten Weg erfolgt seien, in Frage zu stellen. Maria Tschaut erwiderte, vorhandene Errungenschaften hätten jeweils mit den agierenden Personen zu tun und seien nicht dem Dritten Weg zuzurechnen.
Weiterhin wurde diskutiert, wie weit die gewünschten Effekte Teile beispielsweise eines anderen Mitarbeiterbegriffs und eines kooperativen Führungsstils seien.

Die Diskutant*innen verabredeten, eine gemeinsame Erklärung aller drei Verbände anzugehen.

Kirchliches Arbeitsrecht oder Ein Arbeitsrecht für Alle?

Am Dienstag, dem 29.8.2017 findet um 19:00 eine Diskussionsveranstaltung des Säkularen NetzWerkes mit dem Thema „Kirchliches Arbeitsrecht oder Ein Arbeitsrecht für Alle?“ statt. Es diskutieren Maria Tschaut (verdi.NRW), Ralph Welter (Katholische Arbeitnehmerbewegung) und Ingrid Matthäus-Maier (GerDiA) über die Zukunft des religiösen Sonderarbeitsrechtes.

Ort ist der Saal des DGB in Aachen, Dennewartstr. 17.Eine Anfahrtbeschreibung findet sich hier.

Das Plakat ist hier als PDF herunterladbar.

Der Eintritt ist frei

Antworten auf die Wahlprüfsteine des Netzwerkes

Die Wahlprüfsteine des Säkularen Netzwerkes zur Landtagswahl 2017 wurden an Parteien und Kandidat*innen zur Landtagswahl NRW verschickt. Dabei wurden vornehmlich die sogenannten aussichtsreichen Kandidat*innen angeschrieben. Wir bedanken uns herzlich für die eingegangenen Stellungnahmen.

Da aus den Parteien unterschiedlich viele Kandidat*innen erreicht wurden und in den Parteien zu unterschiedlichen Zeiten Reaktionen der Landesparteien auch den Kandidat*innen zur Verfügung gestellt wurden, haben wir uns entschieden, erst einmal nur die Reaktion größerer Gliederungen zu veröffentlichen. Die facettenreichen Antworten der einzelnen Kandidat*innen werden wir später kommentieren.

CDU

Köln SPD (Antwort von 7 Landtagskandidat*innen)

Die LINKE

Grüne

FDP

 

Wahlprüfsteine 2017

Das Säkulare Netzwerk NRW hat folgende Wahlprüfsteine zu den folgenden Themenfelderb beschlossen und an Landtagskandidat*innen in NRW versandt. Im Mai werden wir eine Auswertung der Rückmeldungen veröffentlichen.

  1. Konkordate und Staatsverträge mit Religionsgesellschaften kündigen
  2. Ablösung der anachronistischen Staatsleistungen anpacken
  3. Neutrale Angebote an öffentlichen sozialen Einrichtungen bereitstellen
  4. Rechte der Beschäftigten in kirchlichen Einrichtungen deutlich verbessern
  5. Konfessionsschulen umwandeln
  6. Integrativen Ethikunterricht vom ersten Schuljahr an einrichten
  7. Gottesbezug aus Landesverfassung und Schulgesetz entfernen
  8. Zusammenarbeit des Staates mit konservativen Islamverbänden einstellen

Die vollständigen Wahlprüfsteine finden sich hier als PDF.

Flucht vor Religion am 7. Oktober 19:00 in Köln

Der unbeugsame Wille, die Dinge zu hinterfragen, hat sie in Lebensgefahr gebracht. In den Ländern ihrer Herkunft wird Apostasie mit dem Tode bestraft; ausgeführt durch die eigene Familie, die Gemeinschaft oder den Staat.Der unbeugsame Wille, die Dinge zu hinterfragen, hat sie in Lebensgefahr gebracht. In den Ländern ihrer Herkunft wird Apostasie mit dem Tode bestraft; ausgeführt durch die eigene Familie, die Gemeinschaft oder den Staat.

Sie, das sind Menschen, die sich entschlossen haben, vor religiösem Wahn und Machtanspruch zu fliehen, einem Machtanspruch, der zumeist untrennbar mit staatlichen Strukturen verknüpft ist. Frauen sind in besonderer Weise bedroht, da sie ihr Leben lang nicht nur äußerster psychischer und physischer Gewalt, sondern auch schweren sexuellen Übergriffen ausgesetzt sind, überwiegend in der eigenen Familie.

Die Ex-Muslimin Rana aus Saudi-Arabien wird die Geschichte ihrer Flucht und von den Fluchten anderer erzählen, die sich jetzt gerade zutragen. Und vom spontanen Entstehen einer Gemeinschaft, die versucht, Menschen auch hier aus den Gefahrenzonen zu bringen – denn die Bedrohung hört mit der Ankunft in Europa nicht auf.
An diesem Abend werden außerdem noch weitere Frauen und Männer aus den unterschiedlichsten Ländern ihre Erlebnisse schildern.

Mina Ahadi, die Vorsitzende des Zentralrates der Ex-Muslime, wird von der Arbeit des Vereins berichten und einen Appell für Humanismus, Säkularismus und Aufklärung senden.
Eine sich anschließende Diskussion ist erwünscht.

Die Regionalgruppe Köln der Giordano-Bruno-Stiftung e.V. (gbs Köln) veranstaltet diesen Vortrag im Rahmen des Humanistischen Forums Köln (HFK) in Zusammenarbeit mit dem Zentralrat der Ex-Muslime.
Die Veranstaltung wird unterstützt vom Säkularen NetzWerk NRW (SNW).

Freitag, 07. Oktober 2016
19:00 Uhr
Altenberger Hof Club-Raum
Mauenheimer Str. 92
50733 Köln

Der Eintritt ist frei.

Frühjahrstreffen der säkularen Verbände in Köln

Im Schatten des Domes versammelten sich Delegierte verschiedener säkularer Verbände aus ganz Nordrhein-Westfalen, um gemeinsam das Säkulare NetzWerk NRW (SNW) zu gründen und eine neue Religionspolitik für das Land zu fordern. Unter der Gesprächsleitung von Ingrid-Matthäus-Maier (ehem. MdB) diskutierten der Humanistische Verband (HVD), die Giordano-Bruno-Stiftung (GBS), der IBKA sowie Mitglieder zahlreicher kleinerer säkularer Organisationen. Hinzu kamen Vertreter*innen von SPD, Grünen, FDP und Linken.

Konsens war, dass das Verhältnis Kirche – Staat in NRW dringend auf den Prüfstand gehört.

Problemfelder sind etwa der Bildungsbereich, die Landesverfassung sowie ein aufgeklärtes, säkulares Leitbild für die Flüchtlingsintegration. Das SNW möchte über Verbands- und Parteigrenzen hinweg säkulare Anliegen bündeln, von denen viele längst in der Bevölkerung mehrheitsfähig sind.

Erstaunlicherweise scheint die Politik säkulare Menschen als Wählergruppe noch nicht entdeckt zu haben. Auch die Interessen konfessionsfreier und nichtreligiöser Frauen und Männer finden – anders als die bestens organisierten Interessen der Religionsgemeinschaften – kaum Berücksichtigung. Das SNW strebt nach gleichem Recht und gleichen Chancen für alle Menschen in NRW unabhängig von ihrer Religions- oder Konfessionszugehörigkeit.